Goethes Faust ist für viele Menschen der Inbegriff eines Theaterklassikers. Kaum einem Werk wurde so oft zugeschrieben, genial, tiefgründig und stets aktuell – eben ein zeitloser Klassiker zu sein. Kaum jemand kommt ohne die Lektüre um den Gelehrten Faust und seinen Deal mit Mephisto durch den Deutschunterricht. Auf kaum einer deutschen Bühne wurde noch nicht die sogenannte „Gretchenfrage“ gestellt und die gleichnamige junge Frau zur Mörderin ihres Kindes gemacht. Auf der Bühne des stellwerk hat des Pudels Kern sich vor 20 Jahren zuletzt offenbart. Es wird also höchste Zeit, sich den absoluten All Time Favourite der Theatergeschichte wieder vorzuknöpfen.

Dabei wollen wir befragen: Was macht diesen Stoff so ikonisch? Wo bildet der Text ein Lebensgefühl der Suche und Hilflosigkeit in Anbetracht der Weltlage ab, mit dem wir uns identifizieren können? Wo fällt die Geschichte aber auch durch, wenn wir bestimmte Erzählmuster ändern oder gar revolutionieren wollen, die heute veraltet scheinen? Was hält ihn im Innersten zusammen – den Mega-Klassiker? So wie Faust sich mit dem Teufel einlässt, wollen wir einen Deal mit Goethes Meisterwerk eingehen und schauen, wohin es uns leitet. Die Bühne wird dazu zum multimedialen Studierzimmer. Von hier aus tauchen wir ab in die Untiefen der bekanntesten Tragödie, die uns vom Lehrplan je vorgeschrieben wurde.