Am 23.06.2026 reiste das stellwerk nach Berlin, um für die Inszenierung »Ausradiert – eine theatrale Recherche auf den Spuren Betroffener der NS-Eugenikverbrechen in Thüringen« den 2. Preis des bundesweiten Theaterwettbewerbs »andersartig gedenken« entgegenzunehmen.

»andersartig gedenken on stage« ist ein bundesweiter Theaterwettbewerb zu Biografien von Opfern der NS-„Euthanasie“-Verbrechen. Ziel der Auslobung des Wettbewerbs ist es, den Opfern zu gedenken und ihre Namen und ihre Lebensgeschichten dem Vergessen zu entreißen. Im aktuellen 4. Jahrgang des Wettbewerbs erreichten den Träger des Wettbewerbs, den Förderkreis Gedenkort T4 e.V., insgesamt 16 Einreichungen aus 10 Bundesländern.

Die sechsköpfige Jury, unter der Leitung von Dr. Gisela Höhne, ermittelte in einer 2-tägigen Jurysitzung die Preisträger*innen in zwei Wettbewerbskategorien. Dabei legte die Jury ein besonderes Augenmerk auf die Idee und Gestaltung, auf den künstlerischen Anspruch, auf die Darstellung der historischen Fakten, insbesondere der Opferbiografien und auf den Inklusionsansatz.

Denn neben der Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazis an Menschen mit Behinderung sollten die Wettbewerbsbeiträge auch zur Reflektion über das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in der heutigen Zeit anregen.

Die Inszenierung »Ausradiert – eine theatrale Recherche auf den Spuren Betroffener der NS-Eugenikverbrechen in Thüringen« entstand 2024 im Rahmen des Kooperationsprojektes »Beredtes Schweigen“, das von der Bildungsagenda NS-Unrecht gefördert wurde. Gemeinsam mit einem Ensemble von jungen Erwachsenen hat das Theaterkollektiv projekt-il Lebenswege von Opfern der Zwangssterilisierung und NS-›Euthanasie‹ recherchiert und sich mit Tatorten und Tätern auseinandergesetzt, um die Relevanz dieser teils vergessenen Geschichten in der Gegenwart zu zeigen und auf der Bühne sichtbar zu machen. Grundlage dafür boten biografisches Material von Betroffenen, recherchiert durch den Lernort Weimar e.V., sowie eine Graphic Novel der Künstlerin Anke Zapf. Mit eindrücklichen Bildprojektionen, die live gezeichnet werden, nähern sich die jungen Menschen in einer dokumentarischen Collage auf der Bühne des stellwerk respektvoll diesem wichtigen Thema an.

In der Jurybegründung heißt es zudem: „In dem gemeinsam mit sechs jungen Ensemblemitgliedern entwickelten Stück »Ausradiert« verbinden sich historische Tiefenschärfe und persönliche Perspektiven von jungen Menschen mit professioneller Theaterarbeit… Durch die sorgfältige Quellenrecherche und verschiedene Reflexionsebenen werden eine Vielzahl von Handlungsspielräumen deutlich, die Geschichten überzeugen in ihrer biografischen Konkretheit. Mit ihrer wertvollen Erinnerungsarbeit machen sie den Wettbewerb zu einer Plattform des mutigen Gedenkens gegen das Vergessen und für ein besseres Miteinander im Heute“.

Die feierliche Preisverleihung fand am 23. Juni 2026 um 18.00 Uhr im Theater Pfefferberg in Berlin statt. Das Grußwort sprach der Beauftragte der Bundesregierung für Belange von Menschen mit Behinderung, Jürgen Dusel, als Schirmherr des Wettbewerbs.

Nächste Spieltermine:

Die Inszenierung ist am 09. und 10. September, jeweils 19 Uhr im stellwerk zu erleben.

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