»Schwanensee« zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski ist das berühmteste Ballett aller Zeiten. Kein Stück der Tanzgeschichte ist bekannter und beliebter als die Legende um Odette und Odile, den grazilen weißen und den bösartigen schwarzen Schwan. Schwanensee ist der Inbegriff einer klassischen Ballett-Tradition zwischen absoluter Disziplin und perfekter Schönheit. Das Ballett entwirft dabei eine ganz eigene Bilderwelt rund um Tutu, blutige Zehenspitzen, Primaballerina und enge Strumpfhosen. 

Die Inszenierung »Schwanensee« am stellwerk wirft einen kritischen Blick auf eben diese Welt, auf ihre Regeln, Ästhetik und Ausschlusskriterien geworfen. Welche Körperbilder werden hier präsentiert und welche nicht? Wie müssen wir eine sexistische Geschichte überschreiben, in der verschiedene Frauen vorgeführt werden und ein Prinz sich zum Geburtstag eine von ihnen aussuchen darf? Wieviel feministisches Potenzial steckt im schwarzen Schwan und wieviel zerbrechliche Männlichkeit in der Rolle des verliebten Prinzen? Und was ist überhaupt Tanz? 

»Schwanensee« ist ein politischer Gegenentwurf zur klischeehaften Inszenierungstradition des Balletts. Die Untersuchung eines Klassikers, der mit seiner Uraufführung irgendwo im 19. Jahrhundert stecken geblieben zu sein scheint.